Freitag, 11. November 2011

Schöne neue Welt

Einige, fast schon willkürlich zusammengewürfelte Meldungen der letzten Zeit lassen in mir den Eindruck zurück, daß wir praktisch schon mitten in einer der düsteren Dystopien leben, welche von der Literatur so hervorgebracht wurden. Die entsprechenden Schriftsteller sind offenbar leider weniger phantasiebegabt als vielmehr mit einem ausgesprochen guten Riecher für sich schon zaghaft andeutende Entwicklungen gesegnet. Tötungen von Menschen, die früher eine Euthanasie gewünscht haben, zum fraglichen Zeitpunkt aber nicht mehr in der Lage sind, diesen Wunsch zu bestätigen oder zu verneinen, weil sie mittlerweile schwer dement sind, sind etwas, woran man sich nicht gewöhnen darf. Glücklicherweise konnte Walter Jens sich noch soweit verständlich machen, daß von den Angehörigen sein -zu gesunden Zeiten formulierter- Wille ignoriert wurde. Das berühmte "bitte nicht totmachen" hat Jens davor bewahrt, Opfer seiner eigenen Patientenverfügung zu werden.

In Wales überlegt man, das Nichtvorliegen eines Veto künftig als Zustimmung zur Organentnahme zu werten (ähnliche Überlegungen kennt man ja schon aus anderen Ländern, Wales war nur gerade eine aktuelle Meldung), nachdem es vor einiger Zeit ja sogar schon die Nachricht gab, es gäbe Forderungen nach einer Kopplung von Euthanasie und Organentnahme (auf Englisch schön deutlich als "organ harvesting" bezeichnet), nachdem sich speziell belgische Ärzte damit hervorgetan haben, von den "Vorteilen" eines solchen Vorgehens zu schwärmen. Die Organe sind einfach besser in Schuß als bei Leuten, die man von der Autobahn kratzen muß.  Und natürlich schadet es auch nicht, daß man Menschen so wunderbar dazu bringen kann, sich doch lieber vorzeitig zu verabschieden- sie machen dann keine Umstände mehr, und sind durch ihre Organe sogar noch zu was nütze. Besonders toll, wenn mittlerweile auch nichts mehr dabei gefunden wird, Leute mit psychischen Erkrankungen zu euthanasieren. Daß der Tod vielleicht nicht unbedingt die beste Lösung für eine schwere Depression ist, sondern der Wunsch nach dem Tod ein Symptom derselben ist, stört offenbar nicht.

Mittlerweile wünschen sich manche, daß auch Wachkomapatienten ausgeschlachtet werden dürfen. Wären immerhin, in GB, über 2000 Organe im Jahr. Wachkomapatienten sind übrigens etwas anderes als Menschen, bei denen der Hirntod eingetreten ist, auch wenn ich vom Hirntodkriterium zunehmend weniger halte...aber Wachkomapatienten als Ersatzteillager, das hat dann doch nochmal eine ganz andere, monströse Dimension.

Nachdem in einige Ländern auch schon Eltern per IVF Kinder haben erzeugen lassen, die perfekt als Rückenmarksspender für ein krankes Geschwisterkind geeignet sind, ist es wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis wir Menschen extra dafür züchten, uns möglichst schöne, gesunde Organe zu liefern. Damit wären wir dann endgültig nicht mehr nur bei Brave New World, sondern bei "Alles, was wir geben mussten".

(Ergänzung: den Fall der demenzkranken Dame in den Niederlanden hat b-logos hier aufgegriffen, und U. von sensuum defectui schreibt über Amnesty und "reproduktive Rechte". Ansonsten kann ich nur immer wieder Lifesitenews empfehlen.)

1 Kommentar:

  1. Wenn eine Mutter das Unglück hat, daß ihr Kind trotz brauchbarer Organe stirbt, so wird sie gefragt, ob das Kind spenden soll, um ein anderes Kind zu retten.
    Sagt sie Ja, so stirbt das Kind nicht in ihren Armen, sondern im Operationssaal, denn es muß noch lebend vorbereitet werden, damit man die Entnahme unmittelbar nach dem Tod vornehmen kann (sonst sind die Organe nicht mehr brauchbar).
    Sagt sie Nein, darf das Kind in ihren Armen sterben, aber ihr wurde bereits klargemacht, daß sie jemand anders "nicht geholfen" hat.
    Gleich wie sie entscheidet, sie wird ein schlechtes Gewissen haben - dafür wurde gesorgt.

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